Kultur + Kreativität
Wikinomics - Wirtschaft im Wandel
Was passiert, wenn die Kreativen kommen? Wenn die Kräfte der Globalisierung und die Folgen von Vernetzung, Kollaboration und Kommunikation den Unternehmensalltag aufmischen? Diesen Fragen ist Don Tapscott, einer der erfolgreichsten amerikanischen Wirtschaftsautoren nachgegangen - mit erstaunlichem Ergebnis: Unternehmen müssen ihr Wissen teilen, um Erfolg zu haben.
Unternehmen müssen ihr Wissen teilen
Sagt Don Tapscott, Vordenker der digitalen Wirtschaft und Autor des gleichnamigen Buches: Wikinomics. Einige seine Thesen: Das Internet und insbesondere das Web 2.0 wird die Kommunikations-, Lern-und Kooperationskultur in Unternehmen nachhaltig verändern.
Das gilt nicht nur für die Art der Zusammenarbeit in und zwischen Organisationen, sondern auch für den Umgang mit Informationen und Wissen. Dabei geht es in Zukunft immer weniger um Technologien, sondern um neue Denkansätze, die die Unternehmenskultur verändern. Beispiel Procter & Gamble:
Alle sind kreativer als jeder
P&G musste feststellen, daß man zwar jährlich 1.5 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgab, aber nur ein Zehntel davon wirklich nutzte. Deshalb gab CEO Alan G. Lafley das Ziel vor, die Hälfte der Innovationen bis 2010 aus externen Quellen zu generieren, was früher undenkbar war. Doch inzwischen wendet man sich routinemässig an Internet-Marktplätze wie das InnoCentive Network,wo sich unter anderen 90 000 Chemiker, vom Pensionär in Taiwan bis zum Doktoranden in Düsseldorf tummeln.
Don Tapscott: "Es geht um eine globale Infrastruktur, dank der die Kollaborationskosten gegen null fallen. Was früher hinter den Mauern eines Unternehmens stattfinden musste, kann heute in allen möglichen Peering-Geschäftsmodellen passieren. Das wirbelt die ganze Volkswirtschaft durcheinander." Wobei Herr Tapscott vier Triebkräfte hinter der neuen Wirtschaft ausmacht: freiwillige Zusammenarbeit, Offenheit, Teilen und globales Handeln. Ein weiteres Beispiel? Noch einmal Don Tapscott:
Wikinomics und Goldminen
"Nehmen wir eine der ältesten Branchen: die Rohstoffgewinnung. Einer meiner Nachbarn in Toronto ist Rob McEwen, ehemaliger CEO von Goldcorp Inc. Wenn es um Bodenschätze geht, lautet eine der wichtigsten Devisen: Gib niemals deine geologischen Daten preis, denn sie sind die größte, wertvollste Ressource gleich hinter den Bodenschätzen selbst. Und was hat Rob gemacht, als er vor der Frage stand, wie er aus einer 50 Jahre alten Goldmine in Ontario noch etwas herausholen konnte?
Er stellte Anfang 2000 die gesamten geologischen Daten ins Internet und schrieb einen Wettbewerb aus. Mehr als 1000 Geologen und Hobbyforscher schickten ihre Auswertungen der 400 Megabyte Daten ein, um die umgerechnet eine halbe Million Dollar Preisgeld zu gewinnen. Sie lagen richtig, denn rund die Hälfte ihrer Vorschläge verwiesen auf Stellen, die die firmeneigenen Geologen bislang nicht identifiziert hatten. McEwen holte dank des Wettbewerbs Gold im Wert von bislang knapp dreieinhalb Milliarden Dollar aus dem Boden. Der Börsenwert des Unternehmens ist von 100 Millionen auf heute rund 18 Milliarden Dollar gestiegen."
Fazit
Es lohnt sich, die Thesen von Don Tapscott auf ihre Praxis- und Zukunftstauglichkeit hin abzuklopfen. Im Stil amerikanischer Sachbücher - unterhaltsam, praxisorientiert und mit zahlreichen Beispielen unterfüttert - entwirft der Autor von "Wikinomics" ein optimistisches und inspirierendes Bild der Wirtschaft von morgen. Ein Buch, das man in einem Tag durchlesen und das für Wochen und Monate den Blick für die (mögliche) Wirtschaft von morgen schärfen kann.
Linkempfehlungen
Nackt und fit
Interview mit Don Tapscott in brandeins
» http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2232
Ulrike Reinhard im Gespräch mit Don Tapscott
15 Minuten kompaktes Skype-Interview
» http://de.sevenload.com/videos/xrdRRmW-Don-Tapscott-March-2008
Google-Interview mit Don Tapscott
Ausführliches Autorengespräch
» http://www.youtube.com/watch?v=zF0k6dEm0zQ
Vortrag Don Tapscott
» http://de.sevenload.com/videos/zTADnlx-Don-Tapscott-web20expo


